Mit positiven Emotionen arbeiten

Rund eine Million Menschen gelten in Österreich als burnoutgefährdet. In Krisenjahren wie diesen steigt die Gefahr um Etliches. Umsatzzahlen, Performance, Gewinnsteigerung und „return on investment“ stehen mehr denn je für viele Unternehmen an oberster Stelle der Unternehmensphilosophie. Die Mitarbeiter sind oft nur Mittel zum Zweck und nicht Menschen mit Bedürfnissen, Emotionen und Ideen. Diejenigen, die sich „freuen können“, ihren Arbeitsplatz nicht verloren zu haben, verlieren dennoch ihre Lebensqualität. Von Work-Life-Balance ist hier sowieso nicht die Rede, sondern von chronischem Stress, permanenter Überforderung, Angst den Job zu verlieren, Unzufriedenheit und Krampf. Das Problem: Dieses
System funktioniert nicht auf Dauer und es führt langfristig auch nicht zum Erfolg. Menschen brauchen Sinn, Freude und Motivation zum Leben – und damit natürlich auch zum Arbeiten. Positive Performance ist hier gefragt.
Denn erst wenn Menschen in ihrer Arbeit aufblühen können, entwickeln sich die scheinbar gegensätzlichen Ziele – Unternehmenserfolg, Mitarbeiterzufriedenheit und Arbeitgeberattraktivität – parallel.

Der Ansatz der so genannten „Positiven Psychologie“ unterstützt die Menschen dabei, langfristig gesund und leistungsfähig zu bleiben. Während sich in der Vergangenheit die Psychologie hauptsächlich mit Therapie und Heilung von psychischen Problemen beschäftigte und zu klären versuchte, welche die Ursache für das Unglück ist, konzentriert sich die „Positive Psychologie“ auf die Frage: „Was macht glücklich?“. Denn in diesem, ursprünglich vom US-amerikanischen Psychologen Martin Seligman begründeten Forschungsprogramm wird mit positiven Bedürfnissen wie Glück, Optimismus, Geborgenheit, Vertrauen und Verzeihen gearbeitet.
Dieser Zweig der Psychologie beschäftigt sich gleichfalls mit den positiven Elementen des Wirtschaftslebens, wie etwa Kernqualitäten, Zufriedenheit und Motivation, und beinhaltet damit unverzichtbares Wissen für Führungskräfte und Mitarbeiter. Durch die Förderung dieser Positivelemente können Menschen im Unternehmen aufblühen. Denn erst wenn Menschen in ihrer Arbeit aufleben können, entwickeln sich auch die scheinbar gegensätzlichen Ziele – Unternehmenserfolg, Mitarbeiterzufriedenheit und Arbeitgeberattraktivität – parallel. Die Zutaten dafür sind eigentlich einfach und nachvollziehbar. Positive Emotionen, das Kennen und Nutzen der persönlichen Stärken, die aktive Gestaltung von Beziehungen sowie Sinn und Zielerreichung sind zentrale Säulen dieses Unternehmenskonzeptes.
Diese Faktoren beziehen sich jeweils auf die Person als auch auf die Organisation. Es beginnt beim Ich und endet beim Wir. Es liegt in der Natur der menschlichen Evolution, dass negative Dinge ein höheres Maß an Aufmerksamkeit erhalten, weil Gefahr zu erkennen unser Leben in bestimmten Situationen
noch bis heute rettet. Doch der Säbelzahntiger lauert heute nur noch im Museum und es ist längst nicht mehr alles lebensbedrohlich. Das gilt es zu beherzigen und es ist daher sinnvoll, unsere Gehirne neu zu kalibrieren und den positiven Emotionen einen größeren Wahrnehmungsraum zu geben.
Persönliche Stärken zu nutzen, steigert das Wohlbefinden, erzeugt positive Emotionen, liefert bessere Wege zum Ziel und ist der einzige Weg zum sogenannten Flow-Erlebnis. Jener Zustand der Mühelosigkeit, in dem Raum und Zeit verschwinden und Menschen wenig Belastung verspüren. Die Zielerreichung ist dabei ein Nebenprodukt. Wichtig und direkt gesundheitsfördernd ist auch die Gestaltung von sozialen Beziehungen, privat wie beruflich. Die Zeit für informelle Kommunikation ist heute oft nicht mehr vorhanden oder sie wird nicht aktiv betrieben. Diesen Austausch gilt es neu zu erfinden: Identifikation, mehr Miteinander und Verbesserungen sind beispielhafte Vorteile für Unternehmen.

Die Führungskräfte tragen eine wesentliche Verantwortung dafür. Es gilt, bedeutende Vorhaben, jenseits klassischer Budget- und Kostenziele, zu definieren, um Menschen zu begeistern. Damit einher geht auch die Vermittlung des individuellen Beitrages zum Ganzen. Denn prinzipiell geht es um die Gestaltung einer positiven Unternehmenskultur, wo die Auseinandersetzung mit Veränderung gelebte Praxis ist, Vertrauen und Kommunikation kultiviert werden, gemeinsames Lernen an der Tagesordnung steht.

Positive Performance ist erlern- und trainierbar. Stehen die Umstände noch so schlecht und man glaubt, der Situation ausgeliefert zu sein: Jeder Einzelne kann etwas für sich tun und bei sich selbst beginnen.

Herzlichst,

Ihr Robert Kaltenbrunner

 

Die gesamte Ausgabe der Zoe können Sie unter http://imwebtv.at/Zoe00 abrufen.